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13. Oktober 2015

Europa ist mehr als der Euro

Manfred Hollenbach und Fabian Gramling begrüßen Finanzminister a.D Gerhard Stratthaus MdL in Bietigheim-Bissingen.

Am vergangenen Dienstag durfte sich Kai Hofmann, Vorstands- Vorsitzender des CDU Stadtverbandes, gleich über drei hochrangige Gäste in Bietigheim-Bissingen freuen. Der Landtagsabgeordnete der CDU, Manfred Hollenbach, sowie CDU-Landtagskandidat Fabian Gramling hatten unter dem Titel „Europa ist mehr als der Euro“ Finanzminister a.D. Gerhard Stratthaus MdL nach Bietigheim eingeladen. Im gut besuchten Veranstaltungssaal des TSV Vereinsheims im Fischerpfad referierte der ehemalige baden-württembergische Finanzminister Stratthaus über sicherlich kein leichtes, aber dafür umso interessanteres und aktuelleres Thema. Das Grußwort sprach Manfred Hollenbach, MdL, der Stratthaus als einen Finanzexperten beschrieb, der die „Gabe hat, komplizierte Sachverhalte, verständlich und dabei auch richtig zu erläutern.“

In seiner Rede schilderte Stratthaus die vielfältigen Herausforderungen, die die europäische Gemeinschaft zu bewältigen habe, aber auch die Chancen und Vorteile einer europäischen Gemeinschaft und einer gemeinsamen Währung. Die europäische Union sei eine noch sehr junge Staatengemeinschaft, die man sicherlich nicht mit der Staatengemeinschaft der USA vergleichen könne. Von Schweden bis Portugal zeichne sich Europa durch 19 sehr unterschiedliche Staaten, auf vergleichsweise engen Raum aus, sei es in Sprache, Kultur, Mentalität oder historischen Ereignissen und Entwicklungen. Doch müsse man diese Unterschiede als Reichtum ganz im Sinne von Theodor Heuss sehen:

„Europa ist auf drei Hügeln erbaut – auf der Akropolis von Athen, auf dem Kapitol in Rom und auf Golgatha. Aus all diesen ist Europa geistig gewirkt und man muss alle drei als Einheit sehen.“

Die Bankenkrise, die 2008 durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers eingeläutet wurde, sei sicherlich die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929 in Europa, jedoch hänge auch hier das Verhalten auf Verschuldung und einen instabilen Euro von der jeweiligen Mentalität des europäischen Partners ab. Speziell Deutschland reagiere hier empfindlich, da es die Erfahrung der Inflation der 1930er Jahre habe. Sicherlich sei dies auch mit ein Grund, warum sich Deutschland und auch Frankreich besonders für die Maastricht Kriterien und das Non-bail-Out Gebot, eingesetzt haben. Jedoch sei eine besorgniserregende Entwicklung, dass seit Abschluss der Mastrichtverträge kontinuierlich und von allen Länderpartnern Verträge und Zusagen immer wieder aufs Neue gebrochen würden. Jedoch müsse man sich im Klaren sein, dass wenn die Eurozone auseinanderfalle, dies ein immenser politscher Rückschlag für Europa wäre, da die einzelnen Ländern und speziell Deutschland dann keine Kraft mehr in der Weltpolitik hätten. Allerdings hinterfragte Stratthaus, ob das Non-Bail-Out-Prinzip wirklich sinnvoll sei. Wenn ein einzelnes Land nicht mehr die Maastricht Kriterien erfüllen könne oder wolle, wäre ein vorübergehender Austritt denkbar und sogar sinnvoll. Dies könne helfen, dass die Länder ihre Verschuldung zurückfahren und Wirtschaftsfähig bleiben könnten. Damit der Euro aber auch in Zukunft eine Chance habe, sei wichtig die EU-Erweiterung nicht zu schnell zu verfolgen, da eine Erweiterung und gleichzeitige Vertiefung der Beziehungen nicht möglich sei. Außerdem sei es unabdingbar dass die Staaten endlich die beschlossenen Verträge einhielten. Und auch Deutschland werde hier Kompromisse machen müssen, denn man verstehe in anderen Ländern die deutsche Haltung zur Stabilisierung der Währung nicht. In anderen Ländern hoffe man vielmehr, dass durch eine eventuelle Zunahme der Inflation die Wirtschaft stärker wachse.

Stratthaus schloss mit den Worten: „Ich bin überzeugt, dass es den Euro in 20 Jahren noch geben wird, vielleicht nicht mehr mit allen Mitgliedern. Europa hat der Welt viel gegeben, man denke nur an die Menschenrechte auf denen auch die amerikanische Verfassung beruht. Unsere Stärke liegt in der Vielfalt und wir müssen für die Einheit kämpfen. Deutschland ist unser Vaterland, Europa unsere Zukunft.“

Landtagskandidat Fabian Gramling moderierte die anschließenden Fragen der rund 50 Gäste und bedankte sich im Schlusswort beim Referenten für den eingängigen Vortrag. (wiedemann)