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20. Oktober 2016

Gramling will’s wissen! Einsatz mit den „Pflegeengeln“

„Dank der hervorragenden Lebensbedingungen und der guten ärztlichen Versorgung in unserem Land werden die Menschen immer älter. Die Betreuung und Pflege älterer Menschen und Menschen mit Behinderung ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft an unsere Gesellschaft“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete nach seinem Besuch bei der ambulanten als auch teilstationären Pflegestation „Die Pflegeengel“ in Steinheim an der Murr. Gramling betont, dass die stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften künftig noch stärker als bislang Versorgungsaufgaben übernehmen müssten. Die Ergebnisse der Enquetekommission „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ der vergangenen Legislaturperiode, hatten gezeigt, dass landesweit sowohl Pflegeplätze als auch Pflegepersonal fehle und sich diese Entwicklung in den kommenden 30 Jahren noch verschärfen würde. „Bereits heute leben in Baden-Württemberg etwa 300 000 Menschen mit Pflegedarf. Im Jahr 2030 werden es 400 000 sein“, so der CDU-Landtagsabgeordnete Gramling.

„Während im Jahr 2013 bereits 122 000 Menschen in der Pflege arbeiteten, müssen wir bis 2030 gut 46 000 Menschen zusätzlich für den Pflegeberuf gewinnen. Dies allein nur um mit der demografischen Entwicklung Schritt halten zu können“, führt Gramling weiter aus. Im Landkreis Ludwigsburg zeigen neuste Erhebungen, dass für das Jahr 2025 545 Dauerpflegeplätze fehlen würden. Auch der Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen würde deutlich steigen.

Auch in Zukunft werde die Pflege innerhalb der Familie einen großen und notwendigen Stellenwert einnehmen. Oberstes Ziel der Politik sei, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können, dazu müssten Pflegekonzepte wie Tages- oder Nachtpflege, aber auch Kurzzeitpflege greifen. Darüber hinaus sei der Vorhalt von ambulanten und stationären Pflegeplätzen auch für die Versorgung älterer Menschen und Menschen mit Behinderung besonders wichtig. Um sich einen Überblick über die aktuelle Pflege- und Versorgungssituation im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen zu verschaffen, hatte Fabian Gramling kürzlich eine Kleine Anfrage an das Ministerium für Soziales und Integration gestellt. Daraus wurde ersichtlich, dass im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen insgesamt 28 Dauerpflegeeinrichtungen mit 1538 Dauerpflegeplätzen und 76 Kurzzeitpflegeplätzen vorgehalten werden. Zudem verfügt der Wahlkreis über 23 einzelne Tagesplätze in Dauerpflegeeinrichtungen. In Bietigheim-Bissingen, Erligheim, Marbach und Steinheim werden vier Tagespflegeeinrichtungen betrieben, die insgesamt über 46 Plätze verfügen. Bis heute sei aber keine ambulant betreute Wohngemeinschaft nach dem WTPG entstanden. „Im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen wird die Pflege ernst genommen, aber es besteht weiterhin Bedarf nach Ausbau, das zeigt sich allein an der Tatsache, dass alle Einrichtungen voll ausgelastet sind“, so Gramling.

„Es war mir daher sehr wichtig, einen Einblick in die tägliche Arbeit, die Erfordernisse und Bedürfnisse des Pflegepersonals und der Pflegebedürftigen zu bekommen, denn es geht nicht allein um Statistik, sondern um die Menschen“, sagte Gramling. Gerade die gemeinsam gestaltete Zeitungsrunde mit anschließender Fragestunde bei den Pflegeengeln in Steinheim habe ihm gezeigt, wie wichtig neben der reinen Pflege, die unterschiedlichen Betreuungsangebote für die Menschen seien. „Ich kann jedem wärmstens ans Herz legen, sich in diesem Bereich zu engagieren. Ich bin nicht nur mit interessanten Fragen von den Teilnehmern gefordert worden, sondern konnte für mich aus dieser Erfahrung sehr viel Positives mitnehmen“, so Gramling. Auch der gemeinsame Besuch mit dem ambulanten Pflegedienst bei einer pflegebedürftigen Familie habe ihn beeindruckt. „Im Bereich Pflege wird so unermesslich viel geleistet, es kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden was jeden Tag von den Pflegekräften und Betreuern trotz allem Zeitdruck vollbracht wird.“

Beim abschließenden Gespräch mit den Pflegekräften wurde deutlich, dass die körperlichen und psychischen Belastungen des Pflegepersonals sehr hoch sind. Schichtdienst, Einsatzzeiten rund um die Uhr, aber auch die besonderen Belastungen in der Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen fordere viel vom Personal ab. Durchschnittlich verblieben sie nur 8,4 Jahre in diesem Berufsfeld. Dabei kommen, nach Angaben der Arbeitsverwaltung, auf 1000 freie Stellen 128 Bewerbungen. Ein langfristiger Verbleib in der Pflege könne nur durch eine Senkung der Arbeitsbelastung und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen erreicht werden, so  Fabian Gramling.

Die Landesregierung habe erste Erkenntnisse aus der Pflegekommission der vergangenen Legislaturperiode bereits mit dem Innovationsprogramm Pflege aufgegriffen. Der Schwerpunkt liege dabei auf neuartigen Pflege- und Versorgungsmodellen. Ziel sei, die Pflegeangebote vor Ort besser zu vernetzen und gerade Nacht-, Tages- und Kurzzeitpflegeplätze im ländlichen Raum auszubauen, so Fabian Gramling weiter. So wurde die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen für den Umbau für 12 Tagespflegeplätze eine Fördersumme von 195.306 € bewilligt. Diese Plätze sollen im Frühjahr 2017 zur Verfügung stehen.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen und einer komplexen Aufgabe im Pflegebereich. Die neuste Erhebung des Landkreises hat gezeigt, dass schnell gehandelt werden muss. Eine gute Vernetzung, innovative Projekte, Förderung und Schulung, auch für Familienangehörige, die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs und des ehrenamtlichen Engagements sind alles wichtige Bausteine. Ich bin mir sicher, dass können wir erreichen, dafür muss Geld in die Hand genommen werden, ähnlich wie bei der Kinderbetreuung. Dafür werde ich mich einsetzen.“, schließt Gramling seine Ausführungen.