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Meine Gedanken zu diesem und jenem.

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21. Juni 2017

Blog #8: Angebot an Fachkräften auf Schrumpfkurs: Die Politik muss entgegensteuern

Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg hat in den vergangenen Monaten seinen Aufschwung fortgesetzt. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,4%. Erstmals seit langer Zeit kann die Grenze von 200.000 Arbeitslosen unterschritten werden. Trotz der guten Entwicklung dürfen wir nicht die offenen Baustellen vergessen, die wir auf dem Arbeitsmarkt haben. Auf dem baden-württembergischen Arbeitsmarkt gibt es über 100.000 offene Stellen, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Jedoch klagt eine steigende Zahl von Unternehmen über Fachkräfteengpässe. Die demografische Entwicklung wird die Suche nach Fachkräften in Zukunft kaum einfacher machen. Die Zahlen der IHK sprechen schon heute eine deutliche Sprache: Im Schnitt der Jahre 2017 und 2018 fehlen in Baden-Württemberg 15.000 ausgebildete Fachkräfte sowie 42.000 betrieblich weitergebildete Fachleute (Meister, Techniker, Fachkaufleute). Die Bevölkerungsentwicklung sorgt dafür, dass das Fachkräfteangebot um knapp 22 Prozent abnehmen wird. Wenn wir nicht entgegensteuern werden der hiesigen Wirtschaft zwischen 2017 und 2030 durchschnittlich pro Jahr über 257.000 Fachkräfte fehlen.

Es ist nicht mein Ansinnen ein Schreckensszenario aufzubauen. Uns muss nur klar sein, dass wir gemeinsam die Weichen für die Erschließung zusätzlicher Fachkräftepotenziale stellen müssen. Die Fachkräfteallianz Baden-Württemberg unter dem Vorsitz unserer Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und das neue Landesarbeitsmarktprogramm „Neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Ein weiterer wichtiger Baustein der Landespolitik ist das Ausbildungsbündnis. Dort unterstützen wir junge Menschen im Übergang zwischen Schule und Beruf, arbeiten mit Partnern aus der Wirtschaft und den Gewerkschaften daran, die Attraktivität und Qualität der Berufsausbildung zu steigern und die Ausbildung zukunftsfähig aufzustellen. Die Besetzung offener Lehrstellen bleibt für unsere Unternehmen eine große Herausforderung. In den meisten Fällen sind die Bewerber schlichtweg nicht für den angebotenen Ausbildungsplatz geeignet. Ein weiteres Ausbildungshemmnis sind die unklaren Berufsvorstellungen vieler Schulabgänger. Diese Herausforderung kann man meiner Ansicht nach nur mit einer besseren und frühzeitigen Verknüpfung zwischen Schule und Wirtschaft beziehungsweise den Unternehmen gemeistert werden. Davon können alle Akteure profitieren und deshalb setze ich mich dafür ein. Zusätzlich zu den genannten Initiativen sind wir aufgefordert diverse Rahmenbedingungen zu optimieren. Dazu gehören unter anderem die schulische Bildung, ein bedarfsgerechter Umgang mit den Hochschulen, die Flexibilisierung des Renteneintrittsalters, Kinderbetreuungsangebote sowie der weitere Ausbau der Infrastruktur. Außerdem plädiere ich für eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, was im Interesse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist.

Zu einem geringen Teil kann sicherlich auch die aktuelle Flüchtlingsmigration zur Fachkräftesicherung beitragen. Allerdings ist uns heute noch nicht bekannt, wie viele Flüchtlinge anerkannt werden, noch gibt es ausreichend Informationen über den Ausbildungsstand oder berufliche Qualifikationen. Außerdem sind die Unternehmen auf fortgeschrittene Deutschkenntnisse ihrer Mitarbeiter angewiesen. In jedem Fall werden erhebliche Anstrengungen nötig sein, um mit dem Flüchtlingsstrom den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren abzufedern. Es fehlen nicht einfach irgendwelche Arbeitskräfte, sondern Fachkräfte mit ganz bestimmten Qualifikationen und Fertigkeiten. Aus diesem Grund fordere ich eine Zuwanderungspolitik, die bedarfsorientiert qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten anwirbt.