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Meine Gedanken zu diesem und jenem.

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9. September 2019

Blog #22: Der Weg zur „Rettung der Bienen“

Nachdem in letzter Zeit viel über das Insektensterben gesprochen wurde, sind es jetzt nur noch 770.000 Unterschriften bis zur „Rettung der Bienen“.

So lautet der Name des Volksbegehrens, das in Baden-Württemberg initiiert und inzwischen Innenministerium zugelassen worden ist. Der Name weckt Emotionen: Welcher Mensch will denn, dass die Bienen sterben? Natürlich keiner!

Doch so einfach ist es nicht. Wer ein Haus unter Denkmalschutz stellt, erhält es damit nicht automatisch. Es muss jemanden geben, der das Haus pflegt und in Schuss hält. Wenn das niemand macht, wird das Haus früher oder später zur Ruine. Genau so ist das auch mit unseren Feldern, Weinbergen und Obstwiesen. Und wenn es niemanden mehr gibt, der die Felder bestellt, die Weinreben schneidet oder die Obstwiese pflegt, werden wir nicht nur unsere regionalen Produkte, sondern auch unsere einzigartige Kulturlandschaft verlieren.

Das Ziel des Volksbegehrens ist aller Ehren wert: Bienen, Schmetterlinge, Amphibien, Reptilien, Fische, Vögel und Wildkräuter sollen gerettet werden. Als Hauptursache für den Rückgang der Artenvielfalt hat die Initiative Pflanzenschutzmittel ausgemacht, welche prozentual gesehen besonders in der Landwirtschaft genutzt werden. Deshalb soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach Wunsch des Volksbegehrens massiv reduziert werden: Kein Einsatz in Landschaftsschutzgebieten. Halbierung des Einsatzes bis 2025 und bis 2035 sollen 50 Prozent aller Felder, Obstwiesen und Weinberge in Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaftet werden.

Doch was bedeutet das? Im Wesentlichen greift das Volksbegehren massiv in die konventionelle Landwirtschaft, den Obstbau und den Weinbau ein – ohne das notwendige Wissen und ohne Rücksicht auf Verluste. Werden die Forderungen des Volksbegehrens nämlich real, kämpfen viele Landwirte, vor allem im Obst- und Weinbau, ums Überleben.

Äpfel vom Bodensee oder vom benachbarten Bauern? Das war dann einmal. Schon heute erklären sich immer weniger Menschen dazu bereit, eine Streuobstwiese zu pflegen. Wer möchte die auch unterhalten, wenn die Anforderungen und Auflagen immer utopischer werden und der ganze Aufwand nicht mehr leistbar ist. Dann kommt das günstige gespritzte Obst eben aus dem Ausland. Ist das in unserem und im Interesse der Umwelt?

Gleiches gilt für den Weinbau. Wer sich nur etwas auskennt weiß, dass Weinreben extrem anfällig für Schädlinge und Pilzbefall sind. Deshalb müssen selbst beim Bio-Weinbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ohne die drohen enorme Ertragsverluste. Und auch im Weinbau gibt es immer weniger junge Menschen, welche die Arbeit im Weinberg auf sich nehmen möchten.

Der Weinbau hat in Baden-Württemberg eine lange Tradition und ist nicht mehr wegzudenken. Die Steillagen prägen das Landschaftsbild in vielen Teilen unseres Landes. Alleine entlang des Neckars von Plochingen bis Kirchheim am Neckar sind im Laufe der Jahrhunderte 670 Kilometer Weinbergsmauern entstanden. Diese von Menschenhand geschaffene Kathedrale des Weinbaus, diese einzigartige Kulturlandschaft ist nicht nur Heimat für viele Tiere, sondern auch weltweit eine echte Sehenswürdigkeit. Ich möchte meinen Kindern und Enkelkindern unsere Heimat mit dieser beeindruckenden Landschaft noch zeigen können.

Ich finde es dennoch richtig und wichtig, dass wir den Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt auf unsere Agenda nehmen. Ich glaube, dass wir alle einen Beitrag leisten können. Zum Beispiel beim wöchentlichen Einkauf. Wir müssen weg von der „Geiz ist geil“- Mentalität am Supermarktregal. Ich schaue immer darauf, dass ich möglichst regional einkaufe. Selbst wenn es mal ein bisschen teurer ist, ist mir die Kartoffel vom regionalen Bauern lieber, als die Bio-Kartoffel aus Ägypten. Was ist umweltfreundlicher als regionale Produkte, die den kurzen Weg in unsere Küche finden? Außerdem muss es wieder mehr Grünstreifen in unserer Landschaft geben – mehr Wildblumenwiesen auf unseren Feldern schaffen Lebensräume für Insekten. Und natürlich müssen wir unter dem Motto „Weniger ist mehr“ gemeinsam mit den Landwirten den erfolgreichen Weg für eine nachhaltige Landwirtschaft weitergehen, um in Zukunft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter sinnvoll zu reduzieren. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam mit und nicht gegen unsere Landwirte Maßnahmen erarbeiten, mit denen wir Artenvielfalt fördern.

Entgegen der Meinung vieler Befürwortern ist es unseren Landwirten nämlich nicht egal was mit unserer Natur passiert. Sie brauchen eine funktionierende Ökologie und die Vielfalt der Arten. Also lasst uns den Weg zur „Rettung der Bienen“ gemeinsam beschreiten!