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Meine Gedanken zu diesem und jenem.

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16. Juni 2020

Blog #27:Heute die Weichen für morgen stellen

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist verwundbar. Das wurde selten so deutlich, wie in der Corona-Pandemie. Wir sind und bleiben in hohem Maße von unserem Export abhängig. Es ist deshalb wichtig, dass die Wirtschaft in unseren europäischen Nachbarländern schnellstmöglich wieder anläuft. Wir sind insbesondere durch unsere starken mittelständischen Zulieferer eng mit ihnen vernetzt. Unterbrochene Lieferketten sind extrem schmerzhaft für unsere Wirtschaft. Es geht jetzt aber auch darum, dass wir aus den Rückschlägen der Krise lernen. Den wirtschaftlichen Bruch müssen wir als Chance begreifen und heute die Weichen für morgen stellen.

Wir kehren gerade Schritt für Schritt zur Normalität zurück und machen uns Gedanken über unsere Zukunft. Wie kommen wir möglichst gut aus der Krise? Welche Lehren ziehen wir aus der Krise? Wie schaffen wir es, gemeinsam die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen?

Für uns muss gelten, dass wir unser Exportvolumen in den nächsten Jahren stabilisieren oder sogar ausbauen. Das funktioniert nur, wenn wir unsere Wirtschaft nachhaltig aufstellen, in neue Technologien investieren und die hiesige Forschung fördern. Zu diesem Weg gehört auch die Einsicht, dass der Verbrennungsmotor nicht die Zukunftstechnologie ist. Es wird weitereichende Konsequenzen für unsere Automobilindustrie und die zahlreichen Zulieferer haben, wenn wir unsere Wirtschaft nicht rechtzeitig transformieren und zukunftsfähig aufstellen. Unser Anspruch muss sein, dass wir bei neuen Technologien, beispielsweise im Bereich der Wasserstofftechnologie oder IoT, zum weltweiten Vorreiter werden. Das Potenzial haben wir allemal – wir müssen es nur nutzen! Vor diesem Hintergrund ist es richtig und wichtig, dass neben all den kurzfristigen Maßnahmen in den Konjunkturpaketen des Bundes und der Länder auch mittel- und langfristige Milliardenpakete für Technologie- und Innovationsförderung vorgesehen sind.

Eine weitere Weiche ist die Duale Ausbildung, die schon vor der Corona-Pandemie in unruhiges Fahrwasser geraten ist. Ich habe das Thema in verschiedenen wifo-Ausgaben auf die Agenda gebracht und werde es in den politischen Debatten auch weiterhin dort halten, weil es entscheidend sein wird, dass wir unsere Fachkräfte auch weiterhin in Deutschland ausbilden. Warum? Wer weiter exportieren will, muss auch weiterhin qualitativ hochwertig produzieren. Die Marke „Made in Germany“ darf nicht in Vergessenheit geraten!

Die Corona-Pandemie hat die Sorge vor dem Fachkräftemangel verschärft. Der Bundesagentur für Arbeit wurden im Mai 2020 lediglich 463.000 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 9 Prozent weniger, als noch vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass viele Auszubildende zu den Verlierern der Krise gehören, weil ihnen aufgrund von Insolvenzen oder Sparmaßnahmen droht, ihren Ausbildungsplatz zu verlieren. Für mich sind die angekündigte Prämie pro Ausbildungsplatz der Bundesregierung und der Vorschlag unserer Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut für ein millionenschweres Hilfsprogramm „Berufliche Ausbildung“ des Landes alternativlos, um dafür zu sorgen, dass Auszubildende trotz der derzeit schwierigen Situation ihre Ausbildung fortsetzen und ihre Prüfung ablegen können.

Es wird aber auch unabhängig von den Einschlägen durch die Corona-Pandemie weiter darum gehen, dass wir die vorhandenen Ausbildungsplätze überhaupt erst besetzen. Das war in den vergangenen Jahren vielerorts nicht der Fall und wird auch dieses Jahr nicht überall möglich sein.  Wir müssen weiter am Image der Dualen Ausbildung arbeiten, es verbessern, mehr Jugendliche für eine Duale Ausbildung gewinnen und damit einen Beitrag leisten, um die Zahl der dringend benötigten Fachkräfte in unserem Land zu steigern. Mir ist es wichtig, jungen Menschen wieder stärker die Chancen und Möglichkeiten der Ausbildung aufzuzeigen. Bei aller Bedeutung und Wichtigkeit von BAföG und Studenten-Ticket ist in den letzten Jahren bei vielen der Eindruck entstanden, dass uns die Duale Ausbildung nicht so viel wert ist wie ein akademischer Bildungsabschluss. Deshalb hat es mich auch mehr als geärgert, dass bei der Diskussion um die Schulöffnung für die Abschlussklassen in der Presse häufig nur von den Abi-Prüfungen gesprochen wurde. Das ist falsch! Der Mensch beginnt nicht erst mit dem Abitur und es ist auch nicht das Ziel aller, im Lebenslauf einen Studienabschluss stehen zu haben. Und das ist auch gut so!